Fahrten ans Staatstheater Nürnberg
In der Antike hätte man davon gesprochen, dass sich die Götter gegen einen verschworen haben. Im Falle der Fahrten ans Staatstheater Nürnberg sind an deren Stelle aber die Deutsche Bahn bzw. Verkehrsminister vergangener Bundesregierungen getreten, die ím Zweifelsfall den Individualverkehr zulasten des ÖPNV und seiner maroden Infrastruktur ins Herz geschlossen hatten.
In der Konsequenz bedeutet das seit geraumer Zeit eine noch längere Dauer der Anreise aus Kirchenlaibach, Pegnitz, Neuhaus und teilweise auch Weiden bzw. Freihung. Statt mit Zügen fahren Schülerinnen und Schüler mitsamt ihren Lehrkräften unter der Leitung von Markus Brandl in der aktuellen Spielzeit mit Bussen des Schienenersatzverkehrs in Richtung Musentempel.
Man hätte deshalb erwarten können, dass diese zusätzlichen Erschwernisse die Begeisterung am Gymnasium Eschenbach dämpfen würden, aber weit gefehlt: Wieder sind es mehr als 35 Theaterfreudinnen und -freunde, die sich mittlerweile im dritten Jahr nach Nürnberg aufmachen.
Nach dem Musical „The Legend of Georgia McBride“, das den großen Saal des Schauspielhauses in ein Tollhaus verwandelte, bei dem man sich eher an ein Popkonzert erinnert fühlt, das aber dennoch sehr viel Tiefgang aufweist (Besuch gerade für Theaterneulinge und/oder -skeptiker empfohlen!) mit seinem Blick in die Seelen aller Träumenden von einem besseren Leben und vom So-Sein-Dürfen, wie man ist, stand am 29.4. die Oper „Der Freischütz“ auf dem Programm. Die „Süddeutsche Zeitung“ vom 14.4.26 spricht in ihrer Kritik u.a. vom „durchweg exzellenten Chor“, dem „visuellen Humor“ und bilanziert: „Diese Oper macht etwas mit einem“ - im Nürnberger Fall sind einerseits „kräftige Buh-Rufe“ die Folge, andererseits können andere Teile des Publikums „kaum genug Bravo schreien...“ - Theater als gesellschaftlicher Ort, an dem polarisiert werden darf, Gott sei Dank!
Weiterhin sieht sich die Oberpfälzer Reisegruppe die seltener gespielte Mozart-Oper „La finta giardinieira“ („Die Gärtnerin aus Liebe“) an, bevor ihre Abo-Saison im Juli mit der vierten Vorstellung enden wird. Mit der „Orestie“ wird dann eines der ältesten Theaterstücke der Menschheit auf dem Programm stehen.
Markus Brandl
