Schüleraustausch mit Bratislava – ein Bericht über den Gegenbesuch in Eschenbach

Mit dem Gegenbesuch beim diesjährigen Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Jura Hronca aus Bratislava und dem Gymnasium Eschenbach vom 24.04.26 bis zum 02.05.26 geht eine Ära zu Ende.

Denn Herr Dr. Jan Mayer, der zum letzten Mal eine Schülergruppe (von 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern) in die nördliche Oberpfalz begleitete, ist in diesem Schuljahr in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Herr Mayer hat diese Begegnung seit 1992, also über mehr als drei Jahrzehnte, betreut und nach Kräften gefördert. Lieber Jan, herzlichen Dank für all das, was du für diesen Schüleraustausch und für das Gymnasium Eschenbach getan hast. Wir werden das niemals vergessen! 

Unser diesjähriges Programm in Eschenbach begann am Sonntagnachmittag mit einer Stadtrallye durch das Zentrum von Weiden. Mit Hilfe eines Fragebogens wurde die Aufmerksamkeit der Schüler auf das Veste Haus in unmittelbarer Nähe des Oberen Tores gelenkt. In diesem ehrwürdigen und gelungen renovierten Anwesen hat der spätere Fürstbischof von Wien, Franz Ferdinand Freiherr von Rummel (1644-1716), das Licht der Welt erblickt. In seine Amtszeit fällt die Weihe der sog. Josephsglocke, die wegen ihres majestätischen und vollen Klanges unter der Bezeichnung „Pummerin“ weit über Österreich hinaus bekannt geworden ist. Dieses Meisterwerk der Glockengießerei wurde einst auf Befehl Kaiser Josephs I. (1678-1711) aus den Kanonen und Kanonenkugeln der Zweiten Wiener Türkenbelagerung (i. J. 1683) hergestellt. Die heutige Pummerin ist ein Nachguss aus dem Jahr 1951, der aus dem Material der 1945 zerschellten originalen Glocke besteht.  

Außerhalb der Weidener Altstadt erfuhren wir im Rahmen eines Lehrervortrags, dass die Kirche St. Josef, deren Grundsteinlegung ins Jahr 1899 fällt, stilistisch keine Einheit bildet. Während Baukörper und Fassade im neuromanischen Stil errichtet worden sind - der Architekt J. B. Schrott (1848-1919) hatte sich dabei an der Kölner Romanik orientiert -, ist die Innenausstattung im Jugendstil gehalten, der bei Kirchen nur sehr selten anzutreffen ist. Sehr berührend war, davon zu hören, dass der maßgebliche Gestalter des Innenraums, F. J. Hochstötter (1871-1958), nach der Vollendung dieser außergewöhnlichen Wandmalereien und Mosaike gegen Ende des 1. Weltkriegs als Soldat zu dienen hatte. Die Erfahrungen, die er im Krieg machte, haben ihn derartig traumatisiert, er hinterher zu keiner künstlerischen Arbeit mehr fähig war.       

Nach einem Tag in Eschenbach mit Schulbesichtigung, Empfang beim Bürgermeister und dem Besuch einer äußerst sehenswerten Ausstellung zum Thema „Reichsarbeitsdienst- und Flüchtlingslager Eschenbach“ im Taubenschusterhaus bestiegen wir den Zug in Richtung München, um im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion die Landeshauptstadt und den Südosten Bayerns zu erkunden. 

Selbstständig bewegten sich die Schüler durch die themenreiche Ausstellung des Deutschen Museums. In der Abteilung „Weltraum“ musterten wir die bebilderten Kurzbiografien der Pioniere der Raumfahrt. Ihre Worte, dass die Erforschung des Alls dem Wohl der Menschheit dienen müsse und dass sie den Zweck habe, die Erde besser kennenzulernen, wirken in unserer Zeit wie eine ernste Ermahnung: Sicher ist es nicht im Sinne dieser philosophisch gebildeten Ingenieure, wenn heute ausrangierte Satelliten in großer Menge zu Weltraumschrott verkommen und wenn Mond und Mars als Rohstofflieferanten für die künftige Expansion unserer Wirtschaft in Betracht gezogen werden.    
Durchwegs heiter waren die Präsentationen in den Räumen für Musikinstrumente. Inmitten der unterschiedlichen Arten von Klarinetten, Trompeten oder Orgeln fand sich eine äußerst interessante Dokumentation der Geschichte der Fa. Steinway & Sons. Heinrich Engelhard Steinweg (1797-1871), der in der anglisierten Form seines Namens als Henry E. Steinway anzusprechen ist, betrieb in Seesen (bei Goslar) bis 1850 eine Manufaktur für Tasteninstrumente. Wegen der ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Lage emigrierte er mit seiner großen Familie über Hamburg nach New York, wo er sein Unternehmen wiederbegründete. Damit war der Grundstein für den raschen Aufstieg dieser Firma gelegt, die bald zu Weltruhm gelangte und die bis heute der führende Hersteller von Klavieren und Flügeln ist. 
 
Das Kloster der Benediktinerinnen auf der Fraueninsel

Weitere hochinteressante Besichtigungsziele bot der Chiemgau. Das Kloster der Benediktinerinnen auf der Fraueninsel im Chiemsee ist nicht allein wegen des Grabes der Sel. Irmengard (831-866), einer Tochter Ludwigs des Deutschen, eine Attraktion für geschichtlich Interessierte; aufgrund seiner Abgeschiedenheit gewährt dieses idyllische Areal seinen Besuchern die Möglichkeit zur Ruhe, Entspannung und Besinnung. 

Für Herrenchiemsee gilt Letzteres nur in eingeschränktem Maße. Zwar ist auch diese Insel ein Naturparadies; doch erinnerte sie uns spätestens bei der Besichtigung des gleichnamigen Schlosses an die tragische Geschichte ihres ehemaligen Eigentümers. Der bayerische König Ludwig II. (1845-1886) hat sich, als er an den politischen und militärischen Entwicklungen während der  Bismarckzeit innerlich zerbrach, mit der Errichtung eines aufwändigen Nachbaus des Schlosses Versailles eine museale Welt erschaffen, die ihn in die Zeit des französischen Absolutismus zurückversetzte. Die Umstände seines nicht völlig geklärten Todes im Starnberger See wurden im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg, das wir zum Abschluss unserer Exkursion besichtigten, rekonstruiert, soweit dies möglich ist. 


 
Nachdem unser umfangreiches Programm absolviert war, durften die Organisatoren dieser Schülerbegegnung zur Kenntnis nehmen, dass die vielfältigen und teilweise recht anspruchsvollen Themen bei den Schülerinnen und Schülern großes Interesse hervorriefen. Sie sollten erkennen, wie erfreulich und anregend es ist, wenn junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern einander kennen- und schätzen lernen. Ebenso sollten sie erfahren, dass die europäische Tradition ein gemeinsames Erbe darstellt, auf das sich bauen lässt, wenn es darum geht, die großen politischen und sozialen Herausforderungen zu bestehen, die in der Zukunft auf uns warten. 

Hoffen wir, dass es gelingt, diesem Schüleraustausch, um den uns viele beneiden, weitere Jahre seines Bestehens zu ermöglichen. 

Martin Weinzierl